Der Umgang mit schädelhirnverletzten Menschen

Nachfolgend werden die Situation der Betroffenen als auch die Anforderungen an ihre persönliche Grundhaltung im Umgang mit Schädelhirnverletzten Menschen wiedergegeben. Sie sollten immer versuchen einem Schädelhirnverletzten mit diesen Ansätzen zu begegnen. Die hier vorgetragenen Empfehlungen sind unsere eigenen Erfahrungen und besitzen keinen weisenden Charakter, trotzdem sind sie hilfreich im Umgang mit Schädelhirnverletzten Menschen.

Beim ersten Besuch ist es normal wenn Sie unsicher sind. Reden Sie vor ihrem Besuch mit erfahrenen Leuten. Solche informative Gespräche helfen Ängste abzubauen und vermeiden unangebrachte Reaktionen. Sie müssen den respektvollen und einfühlsamen Umgang erlernen, genauso wie der Betroffene vieles wiedererlernen muss. Aber tun Sie es, es wird ihm helfen und Sie bereichern.

Es ist unumstritten, dass der schädelhirnverletzte Patient nicht mehr der gleiche Mensch von vorher ist. Egal in welchem Krankheitsstadium Sie ihn vorfinden. Der schädelhirnverletzte Patient kann im Wachkoma sein oder schon wieder zu Hause, auf dem Weg zurück ins Leben.

Sie müssen davon ausgehen, dass der schädelhirnverletzte Patient Sie wahrnehmen wird. Die Wahrnehmung ist nicht immer erkennbar.Sie kann aber dafür entscheidend sein, ob und wie schnell der Schädelhirnverletzte wieder am Leben teilhaben will. Zudem müssen Sie davon ausgehen, dass die Wahrnehmung gestört sein kann. Um die Wahrnehmung wieder zu erlernen und richtig einordnen zu können, ist Ihr Verhalten und Umgangston wichtig.

Die betroffene Person wird von der Grundstimmung eher depressiv sein und kann keine Impulse brauchen die diese Stimmung verstärken. Noch ist vorgespielte Fröhlichkeit hilfreich, seien Sie einfach nur Sie selbst.

Wenn Sie mit einem abnormen Verhalten konfrontiert werden, nehmen Sie dies vor allem nicht persönlich. Denken Sie daran, dass ihr Gegenüber anders wahrnimmt. Beobachten Sie interessiert sein Verhalten und begegnen Sie diesem angemessen. Ob bei dem täglichen Umgang, bei der ersten Kontaktaufnahme oder bei einem Besuch.

Die Bandbreite der Veränderungen ist sehr groß. Hier eine Auflistung der Häufigsten.

  • Aufmerksamkeits- und Konzentrationsdefizite
  • Unruhe - hantiert sinnlos
  • Antriebslosigkeit, Demotivation
  • Schnelle Ermüdung
  • Begriffs-/Verständnisprobleme / geringe Flexibilität
  • Kurzzeitgedächtnisprobleme
  • Verminderte Fähigkeit mit Dingen zu hantieren
  • Stark verringerte Planungs-, Lösungs- und Organisationsfähigkeit
  • Enthemmtes Verhalten - Essen usw.
  • Verminderte Selbstkontrolle
  • Emotionale Labilität - unpassendes lächeln / weinen
  • Falsche Krankheitseinsicht
  • Geringes Sozialverhalten

Der schädelhirnverletzte Patient sollte immer das Gefühl haben, dass Sie Ihn aufrichtig wahrnehmen. Wenn der schädelhirnverletzte Patient nicht antworten kann, ist die Frage ?Wie geht es dir?? ziemlich unpraktisch. Versuchen Sie ihr Gegenüber aufzunehmen, zeigen Sie, dass Sie seine Situation oder Gemütszustand wahrnehmen. Sie brauchen hierzu keine tiefgreifenden Fähigkeiten. Es genügen ?Evergreen?-Formulierungen wie; ?heute siehst aber schick aus? aber auch ?Heute hast du keinen guten Tag aber jetzt bin ich da!? Es ist erstaunlich, wie solche ?Evergreen-Formulierungen? wirken ohne diese breit zu treten. Sie verbinden sich sofort mit ihrem Gegenüber und bekommen wenn es möglich ist seine Aufmerksamkeit oder sogar eine Antwort.

Versetzen Sie sich in seinen Zustand und finden für sich selbst heraus was Ihnen gefallen würde und was Ihnen überhaupt nicht zusagen würde. Sie sollten versuchen ihr Gegenüber die Teilhabe an dem Leben wieder schmackhaft zu machen.

Bringen Sie Zeit mit. Holen Sie den schädelhirnverletzten Patienten wenn es möglich ist, aus seinem Zimmer. Sie unternehmen dann sprichwörtlich was! Jede Abwechslung ist eine Anregung, hilft ihm und wird ihm letztendlich gut tun.

Bedenken Sie nochmals, dass der Schädelhirnverletzte sich in einem Prozess des ständigen Wiedererlernens von Fähigkeiten, Verhalten und Benehmen befindet.

Wenn der schädelhirnverletzte Patient selbst tätig sein kann, lassen Sie ihn das auch tun. Unterstützen Sie ihn so viel wie nötig und so wenig wie möglich. Stimulieren Sie seine Versuche, übersehen Sie Unvollkommenheiten oder vermeiden Sie allzu große Lobeshymnen. Denken Sie daran, dass nicht jeder Tag gleich ist und die Wahrnehmung oder die Fähigkeiten dementsprechend auch nicht. Mit anderen Worten: nichts menschliches ist einem fremd.

Referenzen:

Andreas ZIEGLER ?Informationen und Hinweise für Angehörige von Schädel-Hirn-Verletzten und Menschen im Koma und apallischen Syndrom. Kuratorium ZNS Bonn.

http://www.schaedel-hirnpatienten.de/unterstuetzen/akutfall/leitfaden/Leitfaden.pdf

http://www.kuratorium-zns.de/index.html

Herr Kiens
www.kiens.de

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