Auswirkungen der Hirnschädigung

Bewegung / Motorik

Unter Motorik versteht man die Gesamtheit der willkürlich gesteuerten Bewegungsabläufe. Diese beinhaltet sowohl die Planung als auch die Ausführung von Bewegungen.

Nach einer Verletzung des Gehirns, also des Zentralen Nervensystems (ZNS), kommt es je nach Ort und Ausmaß der Schädigung zu Beeinträchtigung der Motorik als Ganzes oder in einzelnen oder mehreren Körperabschnitten (s. auch Muskulatur).

Eine häufige Form der motorischen Störung nach SHV ist die spastische Lähmung. Bei einer Spastik können je nach Ausmaß der Intensität bestimmte Bewegungen verlangsamt, nur teilweise oder gar nicht ausgeführt werden (http://de.wikipedia.org/wiki/Spastik#Symptome).

Nach einem Schlaganfall können viele Betroffene beispielsweise durch gezielte Therapien grobmotorische Fähigkeiten, wie Sitzen, Stehen, Gehen wiedererlernen. Feinmotorische Leistungen, wie z.B. Schuhe binden, Kleidungsstücke auf- und zuknöpfen, schreiben können  auf Dauer beeinträchtigt sein.


S. Nyoni

Muskulatur

Häufige Folge einer Schädel-Hirn-Verletzung sind Lähmungen (Paresen oder Plegien) einzelner oder mehrerer Muskelgruppen. Dabei können eine Körperhälfte (Hemiparese/-plegie, s. Schlaganfall), beide Beine (Paraparese/-plegie), der Rumpf und alle vier Gliedmaßen Tetraparese/-plegie, auch http://de.wikipedia.org/wiki/Parese), und/oder die Muskulatur für die Mimik, die Augenbewegungen, für Mund/Zunge und den Schluckvorgang betroffen sein.

Ist die Eigenspannung der betroffenen Muskulatur (Muskeltonus) zu niedrig oder gar aufgehoben, spricht man von einer schlaffen Lähmung. Ist sie erhöht, so spricht man häufig von Spastik oder Spastizität (auch (http://de.wikipedia.org/wiki/Spastik). Es können auch andere Formen von Bewegungsstörungen, bei denen der Muskeltonus variiert, auftreten, wie z.B. bei einer Ataxie oder Dystonie.

Für die verschiedenen Therapien ist der Zustand der Muskeleigenspannung (Muskeltonus) maßgebend für die Auswahl von Lagerungen, Ausgangsstellungen, Behandlungstechniken, etc.(s. Bobath-Therapie, http://www.schlaganfall-hilfe.de/therapieuebersicht).

S. Nyoni

Sprechen / Sprache / Schlucken

Durch eine Hirnverletzung kann das Sprechen, die Sprache und/oder das Schlucken betroffen sein.

Das Sprechen beinhaltet vor allem die deutliche Aussprache bzw. Artikulation und damit die Verständlichkeit des Gesprochenen.

Die Sprache beinhaltet sowohl das Sprachverständnis als auch die Sprachproduktion, aber auch die Schriftsprache (Lesen und Schreiben). So kann es schwer oder unmöglich sein, den Gesprächspartner zu verstehen, aber auch ihm seine Bedürfnisse und Gedanken mitzuteilen.  Es kommt zu Verwechslungen von Sprachlauten, zu Wortfindungsstörungen, zu Schwierigkeiten in Grammatik, Satzbildung und Formulierung und zu Kommunikationsstörungen.

Das Schlucken beinhaltet die Nahrungs-und Flüssigkeitsaufnahme, d.h.  es kommt zu Schwierigkeiten  bei der Aufnahme, dem Kauen, dem Transport und Abschlucken der Nahrung/Flüssigkeit bis hin zum Verschlucken. Dies kann mit heftigem Hustenreiz beim Essen/Trinken einhergehen , in manchen Fällen aber auch unbemerkt erfolgen, weil die Schutzreflexe reduziert sind. Schluckstörungen können somit zu gefährlichen Erstickungsanfällen, Lungenentzündungen und Austrocknung, Mangelernährung sowie Unterernährung  führen.

Folgende neurogene Störungsbilder unterscheidet man in der Logopädie:

  • Aphasien
    Je nach Lokalisation und Ausmaß der verletzten Hirnstruktur ergeben sich unterschiedliche sprachliche Leistungsausfälle. Sprechen, Verstehen, Lesen und Schreiben können in unterschiedlichem Maße betroffen sein. Es kann dabei zu lautlichen Veränderungen von Wörtern kommen, Wörter werden nicht ihrer Bedeutung entsprechend verwendet und/oder nicht entsprechend der geltenden grammatikalischen Regeln kombiniert.
  • Dyslexien oder Dysgraphien
    Diese beschreiben zentralbedingte, isolierte Lese- oder Schreibstörungen.
  • Dysarthrien, Dysarthrophonien
    Die Ausführung von Sprechbewegungen im Hinblick auf Atmung, Stimme und Artikulation ist beeinträchtigt. So kann das Sprechen undeutlich klingen, das Sprechtempo reduziert oder erhöht, die Betonung und Stimme verändert oder die Sprechatmung eingeschränkt sein. Das Verstehen, Schreiben und Lesen sind hier nicht gestört.
  • Sprechapraxien
    Die Planung der Sprechmotorik ist beeinträchtigt, was sich in auffällig artikulatorischem Suchverhalten äußert.
  • Dysphagien
    Die Aufnahme, die Zerkleinerung und der Transport von Speichel, Flüssigkeiten und/oder Nahrung sind beeinträchtigt. Die Patienten können nicht mehr gefahrlos essen und trinken. Durch Verschlucken oder die eingeschränkte Nahrungs- und Flüssigkeitsaufnahme können als Komplikationen Erstickungsanfälle, schwere Lungenentzündungen, Mangelernährung, Unterernährung und/oder Austrocknung folgen.
  • Faciale Paresen (?Gesichtslähmung?)
    Die Gesichtsmuskulatur (meist halbseitig) ist in Kraft, Beweglichkeit und/oder Koordination eingeschränkt, was zu Störungen der Mimik, des Sprechens und der Nahrungsaufnahme führen kann.


Anja Herrler-Winter
www.herrler-winter.de

Gleichgewichtsstörungen

Diese beispielhafte Aufstellung erhebt noch lange nicht den Anspruch der Vollständigkeit, soll aber im groben erklären, wie unser Gleichgewicht funktioniert.

Ursachen:

  • Schädel-Hirn-Trauma
  • Nervenzellschäden
  • Durchblutungsstörung
  • Schlaganfall
  • Geringer Blutdruck oder mangelnde Blutdruckanpassung an Lagewechsel
    (z.B. durch geschädigte Regulationszentren im Gehirn)
  • Sehstörungen (Machen Sie mal die Augen zu und stehen auf einem Bein)
  • Sensitivitätsausfälle, z. B. Drucksensoren der Fußsohle, ?Gelenkfühler? u. a.
  • Spastik(en) behindern Gleichgewichtsreaktion
  • Motorische Störungen
  • Schlaffe Lähmung behindern Ggw.-reaktion
  • Psyche: Z. B. Angst > Verkrampfung > schlechte Ggw.-Reaktion > Unsicherheit etc.

Gleichgewicht ist das Resultat eines komplexen Zusammenspiels vieler Mechanismen.

In erster Linie sind das die Gleichgewichtsorgane im Innenohr, welche die Stellung und Bewegungen des Kopfes im Raum ?messen?, um dann im Zusammenhang mit den ?Stellungs- und Bewegungsrezeptoren?, den sog. Propriozeptoren, das Verhältnis z.B. vom Kopf zum Körper in den Kopfgelenken, und auch des Rumpfes erfassen. Im Zusammenspiel mit den Druckfühlern der Fußsohle und weiteren Propriozeptoren in allen Gelenken und Muskeln ?errechnen? unsere, für das Gleichgewicht zuständige Nervenzentren/ Nervenzellen, die notwendigen Reaktionen in unseren Muskeln, um z.B. aufrecht stehen zu bleiben.

Schäden im Bereich des Kopfes können praktisch direkt z. B. das Gleichgewichtsorgan, oder entsprechende Nervenzentren im Kopf betreffen, die entweder Signale (Fußsohlen/ Propriozeptoren) erfassen sollten oder diese verarbeiten, und somit wieder für keine oder eine mangelnde (Gleichgewichts-)Reaktion verantwortlich sind.

Andere Gleichgewichtsbehinderungen sind oft motorische Defizite durch Schäden in den motorischen Zentren, sodass zwar richtige Reaktionen vom Gefühl her möglich wären, aber nicht (re-)aktiv ausgeführt werden können (Lähmungen).

Auch psychische Faktoren, wie die Angst davor umzufallen, z.B. durch schlechte Erfahrungen, spielen oft eine Rolle.

Bei der Therapie ist es wichtig, entsprechende Ursache-Folge-Ketten zu erkennen, um gezielt auf noch nicht genutzte oder sich wieder regenerierende Potentiale eingehen und wieder fördern zu können.

Marc Zander
www.physioteam-ansbach.de

Neuropsychologische Beeinträchtigungen

Nach einer erworbenen Hirnschädigung können Beeinträchtigungen im kognitiven Bereich und im Erleben / Verhalten auftreten. Dies können Aufmerksamkeitsstörungen, Lern- und Gedächtnisstörungen, Wahrnehmungsstörungen, Executive Störungen, Persönlichkeitsveränderungen sowie Verhaltensauffälligkeiten sein.

Siehe auch unter der Rubrik: Der Umgang mit schädelhirnverletzten Menschen

Die sehr ausführliche und informative Broschüre der ZNS Hannelore Kohl Stiftung zu diesem Thema mit dem Titel "Neuropsychologische Beeinträchtigungen nach einem Schädelhirntrauma" können sie unter diesem Link kostenfrei bestellen: http://www.hannelore-kohl-stiftung.de/uploads/tx_ttproducts/datasheet/3-Neuropsychologische_Beeintraechtigungen_nach_einem_Schaedelhirntrauma.pdf

Auf der Internetseite des Neuronalen Netzwerkes sind einige Merkblätter abrufbar die ebenfalls neuropsychologische Auswirkungen beschreiben und Behandlungs- und Umgehensweisen erklären. http://neuronales-netzwerk.org/rat-info/neuroinfo-merkblaetter/

U. Wittenbeck

 

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